Kernenergie gehört in deutsche Energiesystemmodelle

Ein neuer Bericht zeigt, dass eine Rückkehr zur Kernenergie zeitnah machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist. Nun muss ein sofortiges Rückbaumoratorium weitere Zerstörungen an den stillgelegten Reaktoren verhindern und Kernenergie endlich auch in deutschen Energiesystemforschung berücksichtigt werden.

Pressemitteilung, 29.6.2026
Ein heute veröffentlichter neuer Bericht zur Reaktivierbarkeit der deutschen Kernkraftwerke zeigt, dass eine Rückkehr zur Kernkraft machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist. [1] Diese Einschätzung bestätigen auch ehemalige Kraftwerksbetreiber in einem bereits am vergangenen Freitag publizierten Brief an den Bundeskanzler.[2] Laut dem neuen Bericht unterbietet jede Wiederinbetriebnahme deutlich die aktuellen Strompreise im Großhandel, würde also direkt zu sinkenden Strompreisen beitragen.

WePlanet-DACH begrüßt den von Nuklearia und der Radiant Energy Group erstellten Bericht. „Es ist wichtig, dass jetzt endlich Bewegung in diese wichtige Frage kommt. Das Ergebnis bestätigt unsere Studie aus dem vergangenen Jahr, wonach eine Energiewende unter Einschluss der Kernenergie zu deutlichen Kosteneinsparungen führt“, so Niels-Arne Münch, Policy Advisor der Umwelt-NGO und Projektleiter der genannten Studie.[3]

WePlanet kritisiert, dass die gängigen deutschen Studien zur Energiewende diese Erkenntnis bisher systematisch verschleiern: Kernenergie wird entweder direkt ausgeschlossen oder unter völlig ungeeigneten Bedingungen modelliert, etwa mit sehr niedriger Auslastung als reine Spitzenlastkraftwerke. Auch die bisherigen Versionen der sogenannten Langfristszenarien – die quasi-offizielle wissenschaftliche Grundlage, auf der die deutsche Energiepolitik fußt – folgten dem politisch vorgegebenen Atomausstieg. In der Vergangenheit flossen so Millionen Steuergelder in Energiesystemmodelle, die das Ergebnis von vornherein kannten.

Doch der Wechsel der Bundesregierung weckt Hoffnung auf eine Kurskorrektur: Derzeit lässt das zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) unter Leitung der neuen Ministerin Katherina Reiche eine neue Version der Langfristszenarien erstellen. „Gute Politik braucht gute Wissenschaft. Wie es mit der Energiewende weitergeht, entscheidet nicht nur über das Erreichen der Klimaziele, sondern auch über den Wohlstand und letztlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land“, so Münch. „Unsere Position ist klar: Bei einer Entscheidung dieser Tragweite gehören alle Optionen auf den Tisch. Jetzt muss endlich auch die Option Kernkraft Bestandteil jener Energiesystemstudien werden, auf die sich die deutsche Energiewende stützt. Nur dann ist eine informierte demokratische Debatte über die Zukunft unserer Energieversorgung möglich. Bis dahin sollte ein Rückbaumoratorium weitere Zerstörungen an den stillgelegten Reaktoren verhindern.“

Um ihrer Forderung nach einer fairen Berücksichtigung der Kernenergie in den Modellstudien Nachdruck zu verleihen, hat WePlanet einen offenen Brief an Katherina Reiche verfasst, den sie noch vor Beginn der parlamentarischen Sommerpause übergeben will. Noch bis Donnerstag können Unterstützerinnen und Unterstützer unterschreiben:

Ministerin Reiche: Kernenergie in Deutschlands Energiewende-Szenarien fair prüfen

Teile den Beitrag

Andere Beiträge

Interview: Vom Anti-Atom-Aktivisten zum Ökomodernisten

Zum Jahrestag des Reaktorunglücks von Tschernobyl sprechen wir mit Serhii Kurykin, der die Ereignisse 1986 als junger Mann in Kyjiw erlebte. Sie ließen ihn zum Atomkraftgegner werden, doch heute ist der ehemalige ukrainische Umweltminister Mitbegründer der von WePlanet Ukraine und setzt sich für Kernenergie ein.

Read More